{"id":1837,"date":"2013-05-23T14:39:01","date_gmt":"2013-05-23T13:39:01","guid":{"rendered":"http:\/\/headingeast.de\/?p=1837"},"modified":"2013-05-28T18:34:04","modified_gmt":"2013-05-28T17:34:04","slug":"anatolia","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/headingeast.de\/de\/anatolia\/","title":{"rendered":"Anatolien"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u00a0There are hundreds of languages in the world, but a smile speaks them all.<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Istanbul zu verlassen war wie erwartet mit endlosen Staus verbunden und so erreichte ich Safranbolu (aufgrund seiner Fachwerkh\u00e4user von der UNESCO zum Weltkulturerbe erkl\u00e4rt) auch erst nach Sonnenuntergang. Der kleine Ort ist eigentlich wirklich nett, doch nach sechs Stunden auf dem Bike war ich recht m\u00fcde und so h\u00fcbsch anzusehen diese kleine Stadt auch ist, der teils felsige Untergrund und die ger\u00f6llartigen Strassen bereiteten mir mit meiner vollgepackten GS an diesem Abend einige Schwierigkeiten. Ich bin die Strassen auf und abgefahren, um mein Hotel zu finden. Mein GPS wollte mich Gassen hinaufschicken, die vielleicht zu Fu\u00df zu meistern waren, nicht jedoch mit einer Maschine, welche beladen 350 Kilogramm auf die Waage brachte. So kam was kommen musste. Bei einer Kehrtwende versuchte ich den Fu\u00df auf den Boden zu bekommen und trat ins Leere. Solche Fehltritte haben dann auch unverzeihliche Konsequenzen und so ging ich das erste Mal vollgepackt zu Boden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Am n\u00e4chsten Tag ging es nach Kappadokien, wo ich am fr\u00fchen Nachmittag in G\u00f6reme eintraf. Es ist ein kleiner Ort, ber\u00fchmt f\u00fcr seine Steinformationen und ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe. Da ich von Kappadokien an einem Tag nach Mardin fahren wollte, einer alten Stadt im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei, rund 20 km n\u00f6rdlich der Grenze zu Syrien und nicht unweit vom Irak, war ich einen Tag sp\u00e4ter bereits um 6:00 Uhr auf der Strasse. Als ich G\u00f6reme fr\u00fch morgens verlie\u00df, offenbarte sich mir noch ein besonderes Schauspiel. Dutzende Hei\u00dfluftballons stiegen in die H\u00f6he und gaben Besuchern die M\u00f6glichkeit, die besonders geartete Landschaft aus der Luft zu erleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0An diesem Tag war ich mal wieder etwas z\u00fcgiger unterwegs. 800 Kilometer entsprechen grunds\u00e4tzlich nicht meiner gew\u00fcnschten Tagesdistanz, aber da ich mich am Samstag noch einmal mit Jim und David in Van treffen wollte, musste die Hand am Gas bleiben. Irgendwie hatte ich in der T\u00fcrkei auch das Gef\u00fchl, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen lediglich als Orientierungspunkte gelten. Bei ausgeschilderten 50 km\/h kann es schon mal vorkommen, dass der Verkehr mit 100 Sachen dahinrollt. Also reihte ich mich entsprechend &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Ich sah das Winken schon aus der Ferne und es galt dann auch unmissverst\u00e4ndlich mir. Vier Polizisten versuchten mir zu erkl\u00e4ren, dass ich vom Radar erfasst wurde. Dass ich zu schnell war, war mir schon klar. Die Frage war nur, wie viel war eigentlich erlaubt &#8230; Sie belie\u00dfen es aber bei einem freundlichen Verweis, wiesen auf mein Tacho und signalisierten mir, ich sollte die 100 nicht \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Im S\u00fcden der T\u00fcrkei ging es dann nach Mesopotamien. Das fruchtbare Zweistromland, war mir noch aus dem Geografieunterricht meiner Kindheit in Erinnerung geblieben. \u00a0Mittlerweile befand ich mich auch unweit der syrischen Grenze und erreichte etwas ermattet die auf einem Burgh\u00fcgel liegende Altstadt von Mardin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Wissentlich, dass ich nach dieser Tagesetappe nicht mehr taufrisch sein werde, buchte ich das Hotel im voraus. Alles lief gut bis Mardin, dann steckte ich pl\u00f6tzlich in einem Stau. Einmal unternahm ich den Versuch, langsam am Verkehr vorbeizufahren, doch ein entgegenkommender Bus, dem ich in den engen Strassen auf umst\u00e4ndliche Weise auszuweichen versuchte, sorgte daf\u00fcr, dass ich mich bei der Hitze wieder geduldig einreihte. Am Ende des Staus machte sich dann erstmals Frustration breit. Die Strasse war aufgrund von Bauma\u00dfnahmen gesperrt und es hie\u00df umkehren. Wie aber sollte ich dann zu meinem Hotel kommen? Mit Englisch war in dieser Gegend nicht mehr viel anzufangen und ich sprach weder T\u00fcrkisch, noch Arabisch oder Kurdisch. Dennoch lie\u00df sich der Kommunikation entnehmen, dass es hier offensichtlich nicht weiterging und ich es von der anderen Seite der Stadt versuchen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Das tat ich dann auch mit dem gleichen Ergebnis. Zudem erinnerten mich einige der Strassen an Safranbolu und ich hatte wenig Lust auf ein \u00e4hnliches &#8222;Erlebnis&#8220;. Mein GPS wollte mich dieses Mal Gassen entlang schicken, die es nicht gab und als ich mehrfach meine Hotel-Adresse vorzeigte schlug man mir vor, dass Motorrad einfach stehen zu lassen und zu Fu\u00df zum Hotel zu laufen. Ja, klar. Ich war \u00fcber 10 Stunden unterwegs und hatte bereits mehr als eine Stunde damit zugebracht in diesem St\u00e4dchen meinen Weg zum Hotel zu finden. Ganz sicher w\u00fcrde ich jetzt auch noch das Bike einfach mal so am Strassenrand parken und 70 kg Gep\u00e4ck bergauf schleppen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Die L\u00f6sung brachte das &#8222;Cafe del Mar&#8220; in der Sanat Sokagi. Zuerst einmal erweckte es den Eindruck, jemand spr\u00e4che hier m\u00f6glicherweise Englisch, was auch der Fall war. Ich erl\u00e4uterte mein Anliegen, doch gab man mir auch hier zu verstehen, dass ich aufgrund der Bauarbeiten derzeit unm\u00f6glich mit dem Motorrad zum Hotel gelangen w\u00fcrde. Ich war definitiv zu m\u00fcde, um noch weiter nach Alternativen zu suchen und so fragte ich einfach, ob ich die Nacht auf der Terrasse schlafen k\u00f6nnte. Vedat, der das Restaurant mit seiner Familie betreibt \u00fcberlegte kurz, willigte dann aber ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Jetzt gab es nur noch ein Problem: Wo bekam ich eine Dusche? Ein Bad gab es hier nicht und so empfahl mir Vedat, ich sollte ein Hammam, ein t\u00fcrkisches Bad aufsuchen. Er gab mir eine Adresse und ich machte mich auf den Weg. Am besagten Ort angekommen, signalisierte man mir in Kurdisch, dass ich in zwei Stunden wiederkommen solle, da zu dieser Zeit die Frauen das Bad nutzen. In Anbetracht der letzten 11 Stunden hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, aber ich machte zur besagten Zeit einen neuen Versuch. Das ganze war etwas ungew\u00f6hnlich aber am Ende des Tages hatte ich meine Dusche, wenn auch mit gesch\u00f6pftem Wasser und aus Metallschalen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Abendessen zeigte sich Mesopotamien dann nicht mehr von seiner Sonnenseite und es fing heftig an zu regnen und zu gewittern. Vedat und sein Bruder boten mir daraufhin an, im Restaurant zu \u00fcbernachten, wo auch sie einen Raum bewohnten. Es regnete auch noch bei Sonnenaufgang und so packte ich noch vor dem Fr\u00fchst\u00fcck meine Sachen und verlie\u00df die Stadt im Regen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Dieser Samstag lie\u00df nicht so wirklich Freude aufkommen. Es war kalt, es regnete und die Strassenbedingungen erforderten erh\u00f6hte Aufmerksamkeit. Als ich in durch Midyat kam und kurz stoppte, stand pl\u00f6tzlich ein Mann neben mir im Regen und gr\u00fc\u00dfte freundlich. Nun sprach er kein Englisch und ich kein Kurdisch und so gab es eigentlich nicht viel auszutauschen, au\u00dfer einem freundlichen L\u00e4cheln. Er signalisierte mir jedoch mehrfach, ich solle einfach auf einen Tee mit her\u00fcberkommen. Eigentlich wollte ich bei diesen Wetterbedingungen nur so schnell wie m\u00f6glich nach Van, aber dann fragte ich mich, warum eigentlich nicht. Die Einladung war zu herzlich. Es gab nicht nur Tee sondern auch noch Brot mit dem hier typischen Feta-K\u00e4se und Joghurt. Nicht dass wir viel geredet h\u00e4tten, es waren einfach nur 15 Minuten gef\u00fcllt mit Herzlichkeit. Einer der M\u00e4nner, mit denen ich fr\u00fchst\u00fcckte, war Syrer. Er war aufgrund des B\u00fcrgerkrieges seit gut zwei Monaten in der T\u00fcrkei, sprach ein paar Brocken Englisch und auf meine Frage was er nun mache, antwortete er: &#8222;Wir wollen einfach nur leben&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0In Van angekommen verbrachte ich den Abend mit David und Jim und blieb noch zwei weitere Tage in der Stadt, bevor ich mich aufmachte, die Grenze zum Iran zu \u00fcberqueren. Es war ein Land, welches ich kennenlernen wollte, welchem ich aber auch mit gemischten Gef\u00fchlen entgegensah.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Istanbul zu verlassen war wie erwartet mit endlosen Staus verbunden und so erreichte ich Safranbolu (aufgrund seiner Fachwerkh\u00e4user von der UNESCO zum Weltkulturerbe erkl\u00e4rt) auch erst nach Sonnenuntergang. Der kleine Ort ist eigentlich wirklich nett, doch nach sechs Stunden auf dem Bike war ich recht m\u00fcde und so h\u00fcbsch anzusehen diese kleine Stadt auch ist, der teils felsige Untergrund und die ger\u00f6llartigen Strassen bereiteten mir mit meiner vollgepackten GS an diesem Abend einige Schwierigkeiten.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[6,20],"tags":[22,23,10,21,24,137],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/headingeast.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1837"}],"collection":[{"href":"http:\/\/headingeast.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/headingeast.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/headingeast.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/headingeast.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1837"}],"version-history":[{"count":27,"href":"http:\/\/headingeast.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1837\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1861,"href":"http:\/\/headingeast.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1837\/revisions\/1861"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/headingeast.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1837"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/headingeast.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1837"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/headingeast.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1837"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}