{"id":1960,"date":"2013-06-18T19:00:18","date_gmt":"2013-06-18T18:00:18","guid":{"rendered":"http:\/\/headingeast.de\/?p=1960"},"modified":"2013-06-29T12:05:50","modified_gmt":"2013-06-29T11:05:50","slug":"transit-through-turkmenistan","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/headingeast.de\/de\/transit-through-turkmenistan\/","title":{"rendered":"Transit durch Turkmenistan"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>All travel has its advantages. If the passenger visits better countries, he may learn to improve his own. And if fortune carries him to worse, he may learn to enjoy it.\u00a0<span style=\"color: #c0c0c0;\"><em>\u2013<\/em> Samuel Johnson<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl mir vier Tage verblieben, um Turkmenistan zu durchqueren brauchte ich lediglich 48 Stunden um vom Iran ein- und nach Usbekistan auszureisen. Da mag man sich fragen, warum solche Eile &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz einfach: Ich hatte schlichtweg nicht dass Gef\u00fchl, dass man hier herzlich willkommen ist. Alleine ein 5-Tages Transit-Visum zu erhalten ist nicht einfach und wird zeitweise nur ausgestellt, wenn man einen Guide bucht, welcher einen durch das Land geleitet. Das kostet dann nat\u00fcrlich extra und nicht gerade wenig. Mir blieb ein Begleiter gl\u00fccklicherweise erspart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die Ausreise aus dem Iran recht problemlos von Statten ging, empfingen mich die Turkmenen alles andere als mit offenen Armen. Es ging schon damit los, dass ich meine Adventure auf einer riesigen Fl\u00e4che und unter Aufsicht eines Soldaten frontal vor dem Geb\u00e4ude parkte und nachdem ich bereits abgestiegen war, mich der Soldat anwies, l\u00e4ngst zu parken. Da war rein gar nichts weit und breit und es machte auch \u00fcberhaupt keinen Unterschied. Zudem war mein Motorrad das einzige Fahrzeug &#8230; aber gut, parken wir das Bike eben l\u00e4ngs zum Geb\u00e4ude. Das war der Auftakt zu einem mehrst\u00fcndigen, b\u00fcrokratischen Prozedere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Migration wollte man mein Hotel f\u00fcr die erste Nacht wissen, welches ich noch gar nicht gebucht hatte. Nach langen Diskussionen nahm ich das Hotel Ashgabat, in der Hoffnung, es g\u00e4be dort auch einen sicheren Platz f\u00fcr das Motorrad. Dann wurden die ersten 12 USD f\u00e4llig und man schickte mich zur Bank (lediglich ein Raum nebenan), wo mir eine &#8222;entz\u00fcckende&#8220; Dame genervt die Rechnung machte. Als ich ihr sagte, ich h\u00e4tte Euro dabei, blickte sie nicht einmal auf und meinte nur &#8222;Then go back to Iran. By, by !&#8220; Das h\u00e4tte ich liebend gerne getan, nur hatte ich weder ein Visum zur Mehrfacheinreise in den Iran, noch w\u00fcrde das mein Problem l\u00f6sen nach Usbekistan zu gelangen. Jedenfalls waren Euro ganz augenscheinlich eine wenig zu gebrauchende W\u00e4hrung hier zu Lande und es gab auch keine Wechselstuben and der Grenze. Flexibel sieht anders aus. Ich hatte aber noch meine Iranischen Real in Turkmenische Sol gewechselt und bot der Dame lokale W\u00e4hrung an, welche sie zu meiner \u00dcberraschung akzeptierte. Dann zahlte ich noch f\u00fcr einen Veterin\u00e4r (warum auch immer), schloss eine Versicherung f\u00fcr das Motorrad ab, zahlte eine Art Kompensation f\u00fcr den niedrigen Spritpreis, abh\u00e4ngig von der Route durchs Land und wurde f\u00fcr administrative Kosten und was wei\u00df ich noch alles zur Kasse gebeten &#8230; am Ende gab es viele von Hand ausgef\u00fcllte Zettel und ich war um ca. 90 USD leichter. Jeder fragte mich so ziemlich das Gleiche und erfand das Rad von neuem und als ich dachte, ich h\u00e4tte den b\u00fcrokratischen Marathon hinter mir, machten sich mehrere Zollbeamte zur gleichen Zeit daran, mein Gep\u00e4ck zu durchsuchen. Ich musste ihren Euphorismus ein wenig z\u00fcgeln, um den \u00dcberblick zu behalten. Selbst der Schlafsack und die Isomatte wurde ausgepackt &#8230; dann war ich jedoch im Land und sah meiner Nacht in Ashgabat entgegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Turkmenistan, reich an \u00d6l- und Gasvorkommen, ist ein totalit\u00e4rer Kontrollstaat, Internet ist reglementiert und Englisch wird kaum gesprochen und vermutlich auch nur wenig gef\u00f6rdert. Daf\u00fcr erfreute sich die wenig bekannte W\u00fcstenrepublik bis 2006 eines narzisstischen Diktators namens Niyazov, der sein Volk als &#8222;Turkmenbashi&#8220; (F\u00fchrer der Turkmenen) regierte und das Land mit goldenen Statuen seiner selbst dekorierte. Auch Bilder des amtierenden Pr\u00e4sidenten in verschiedensten Posen sind allgegenw\u00e4rtig und finden sich sowohl in \u00e4rmlich eingerichteten Grenzb\u00fcros als auch an den pomp\u00f6sen Geb\u00e4uden in Ashgabat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit seinen wei\u00dfen Geb\u00e4uden, goldenen Verzierungen, k\u00fcnstlich angelegten Parks und zeitweise spiegelglatten Strassen wirkt Ashgabat nicht wenig bizarr und protzig im Vergleich zum Rest des Landes. Doch das half mir wenig am Abend des Champions-League Finales. Ich fand keine M\u00f6glichkeit, das Endspiel gegen Mitternacht live zu sehen und mangels Internet erfuhr ich erst am n\u00e4chsten Abend in Mary, wer das Spiel eigentlich gewann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es waren nur 360 Kilometer von Ashgabat nach Mary. Klang nicht gerade wie eine gr\u00f6\u00dfere Herausforderung und doch war ich mehr als froh, dass das Bike in einem St\u00fcck in Mary ankam. Nach mehr als 9.000 Kilometern auf der Strasse, wurde dieser Sonntag Nachmittag bei 36 Grad zu einer physischen Tortur f\u00fcr Mensch und Maschine. Die Strasse war zwar asphaltiert, aber das sagt leider rein gar nichts. Der Zustand war derart katastrophal, dass das Bike sich \u00fcber Stunden wie ein wilder Gaul verhielt und \u00fcber tausende von L\u00f6chern, Asphaltdellen und Bruchst\u00fccken dahin galoppierte. Ich sah mich gezwungen, einen Gro\u00dfteil der Strecke stehend zu fahren. In einem St\u00fcck angekommen, suchte ich mir auf Umwegen mein Hotel, nahm eine sp\u00e4rliche Mahlzeit in einem Truckstop ein und war im Bett. Damit wurde an diesem Sonntag auch eindrucksvoll klargestellt, dass von nun an weniger die Distanz mein Tagespensum bestimmen w\u00fcrde als vielmehr die Strassenbedingungen.\u00a0 Am n\u00e4chsten Tag gegen Mittag war ich jedenfalls an der n\u00f6rdlichen Landesgrenze, passierte Zoll und Migration und wurde am letzten Grenztor der Turkmenen noch einmal zur\u00fcckgeschickt, da ich wohl einen Kontrollposten \u00fcbersehen hatte. Dann war ich in Usbekistan, wo die Grenzer mich wieder freundlich begr\u00fc\u00dften und mir trotz des b\u00fcrokratischen Prozedere sehr hilfreich zur Seite standen. Auch ein Schriftzug in Englisch lie\u00df auf bessere Zeiten hoffen:&#8220;Welcome to Usbekistan&#8220;.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl mir vier Tage verblieben, um Turkmenistan zu durchqueren brauchte ich lediglich 48 Stunden um vom Iran ein- und nach Usbekistan auszureisen. 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