{"id":2224,"date":"2013-08-12T06:32:48","date_gmt":"2013-08-12T05:32:48","guid":{"rendered":"http:\/\/headingeast.de\/?p=2224"},"modified":"2013-09-23T04:05:01","modified_gmt":"2013-09-23T03:05:01","slug":"a-momentous-incident","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/headingeast.de\/de\/a-momentous-incident\/","title":{"rendered":"Ein folgenschwerer Zwischenfall"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Adventure is a path. Real adventure \u2013 self-determined, self-motivated, often risky \u2013 forces you to have firsthand encounters with the world. The world the way it is, not the way you imagine it. Your body will collide with the earth and you will bear witness. In this way you will be compelled to grapple with the limitless kindness and bottomless cruelty of humankind \u2013 and perhaps realize that you yourself are capable of both. This will change you. Nothing will ever again be black-and-white.\u00a0\u00a0 <span style=\"color: #c0c0c0;\">\u2013\u00a0 Mark Jenkins<\/span><\/p><\/blockquote>\n<style type=\"text\/css\"><!--\nA:link {  }\n--><\/style>\n<style type=\"text\/css\"><!--\nH4.ctl { font-family: \"Arial Unicode MS\"; }A:link {  }\n--><\/style>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">This is the end of my trip<\/span><\/h4>\n<style type=\"text\/css\"><!--\nH4.ctl { font-family: \"Arial Unicode MS\"; }A:link {  }\n--><\/style>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"color: #000000; text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Es gab nun seit Wochen kein Update mehr auf dieser Seite aber es gab auch gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr \u2026 Manchmal reicht ein Wimpernschlag und die Welt um einen herum erscheint in einem anderen Licht. Am 9 Juli kam es in der chinesischen Provinz Sichuan gleich zu mehreren tragischen Ereignissen. <\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"color: #000000; text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Es hatte an den Tagen zuvor bereits heftig geregnet und ein Erdrutsch versperrte am Morgen einen Tunnel. Wir warteten bis kurz vor Mittag im Hotel auf die Freigabe, dann machten wir uns auf den Weg in Richtung Chengdu. Mit den Motorr\u00e4dern passierten wir den blockierten Tunnel noch lange bevor dieser fuer den regul\u00e4ren Verkehr wieder freigegeben wurde. <\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">An diesem Dienstag waren wir zu Viert unterwegs: Jimmy, mein Zimmergenosse, BigJim aus Wales, David aus Australien und ich. Zwei weitere Motorradfahrer unseres Teams waren bereits fr\u00fcher am Morgen aufgebrochen und die beiden 4\u00d74 Trucks in unserer Gruppe sassen noch auf der durch den Erdrutsch gesperrten Strasse fest. Wir passierten mehrere Br\u00fccken und Tunnel ohne Probleme. Dann kam es jedoch zu einem folgenreichen Zwischenfall. Kurz nach der Einfahrt in eine Tunnelr\u00f6hre musste Jimmy \u2013 der als erster voraus fuhr \u2013 bremsen. BigJim dahinter bet\u00e4tigte seine Bremsen ebenso und ich sah, wie sein Hinterrad auf dem offensichtlich extrem schmierigen Untergrund einen Satz nach rechts machte. Ich drosselte meine Geschwindigkeit und und sah in den R\u00fcckspiegel. David fuhr direkt hinter mir und ich nahm noch wahr, wie sein Vorderrad nach rechts driftete und das Motorrad in die Schr\u00e4glage geriet \u2026 im n\u00e4chsten Moment schoss sein Bike auch schon auf der Fahrbahn rotierend in meine Richtung. <\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Wir stoppten unsere Bikes vorsichtig und parkten links auf der abgesperrten Fahrbahnh\u00e4lfte. Dann liefen wir zur\u00fcck, um nach David zu sehen. Er hatte sich m\u00fchsam an den Strassenrand gerobbt. Auf dem Weg zu ihm schalteten wir den immer noch laufenden Motor seines Motorrades aus. Wir sperrten die Fahrbahn und leiteten den Verkehr auf die linke Seite. David war ansprechbar, hatte jedoch erhebliche Schmerzen. Er selbst vermutete, dass sein rechtes Knie und die H\u00fcfte gebrochen seien. Vorsichtig halfen wir ihm auf den Fahrbahnrand. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Es war David, der im vergangenen Sommer auf <\/span><a title=\"Horizons Unlimited - The HUBB\" href=\"http:\/\/www.horizonsunlimited.com\" target=\"_blank\">www.horizonsunlimited.com<\/a><span style=\"color: #000000;\"> den Blog startete, um ein Team fuer China zusammenzustellen. Halb auf dem Seitenrand des Tunnels liegend sah er mich an \u2026 dann meinte er nur noch: \u201cThis is the end of my trip.\u201d<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Eine ganze Reihe von Fahrzeugen fuhr vorbei, ohne dass jemand anhielt und Hilfe anbot. Selbst als wir aktiv versuchten, vorbeifahrende Autos anzuhalten, wichen die meisten Fahrzeuge aus. Schliesslich stoppte ein 4\u00d74 und wir fragten die Insassen, ob jemand Englisch spr\u00e4che. Ein junges M\u00e4dchen auf dem R\u00fccksitz nahm die Kopfh\u00f6rer heraus, wir erkl\u00e4rten unsere Situation und fragten, ob sie auf dem Weg nach Chengdu seien. Als sie bejahte, baten wir darum, David in ein gutes Krankenhaus zu bringen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht halfen wir ihm ins Auto, tauschten die Telefonnummern aus und schickten ihn in Richtung Chengdu.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Nun mussten wir zusehen, dass wir das Motorrad aus dem Tunnel heraus bekamen. Da wir unter strengen Auflagen als Gruppe mit eigenen Fahrzeugen nach China eingereist waren, mussten alle Fahrzeuge auch das Land Richtung Laos wieder verlassen. W\u00e4hrend wir im Tunnel auf der Suche nach einem kleinen Lastwagen waren, passierte auch ein Polizeiwagen unsere Unfallstelle. Man sollte jedoch nicht glauben, dass die chinesische Polizei es f\u00fcr n\u00f6tig erachtet h\u00e4tte anzuhalten und ggf. Hilfestellung zu leisten. Vermutlich stand davon nichts in der Dienstanweisung der Kollegen und geh\u00f6rte somit auch nicht zum Tagesgesch\u00e4ft. <\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Schliesslich stoppte ein junger Chinese mit einem kleinen Laster und war sofort bereit, uns zu helfen, das Motorrad aus dem Tunnel in Richtung Chengdu zu transportieren. W\u00e4hrend wir das Bike zum Verladen vorbereiteten, h\u00f6rten wir erneut Reifen quietschen \u2026 und dann krachte es auch schon heftig. Eine weitere Polizeistreife war in unsere Absperrung geschlittert und hatte dabei einen zur Absperrung dienenden roten Wassertank zerst\u00f6rt. Man stelle sich die Situation einmal vor: Eine Unfallstelle in einem Highway-Tunnel, vier im Tunnel parkende Motorr\u00e4der, umherlaufende Menschen, umgeleiteter Verkehr und dann eine Polizeistreife, die in die Absperrung der Unfallstelle rauscht \u2026 Eigentlich hatte ich erwartet, dass wir sp\u00e4testens jetzt einige Fragen zu beantworten h\u00e4tten. Tats\u00e4chlich, nachdem der Streifenwagen wieder fahrbereit war, stoppte er noch einmal direkt neben unserer Verladestelle fuers Motorrad. Allerdings waren die Polizisten nicht an uns interessiert. Ein Warnkegel hatte sich bei deren Aufprall unter dem Wagen verklemmt und musste noch vom Unterboden des Streifenwagens befreit werden. Dann waren die Jungs auch schon wieder auf und davon. <\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Stunden sp\u00e4ter erfuhren wir, dass David dringend eine OP und eine neue H\u00fcfte brauchte. Um den Prozess zu beschleunigen, nahmen wir noch am gleichen Nachmittag Kontakt zu seiner Versicherung in Australien auf. Dann suchten wir uns eine Bleibe in Chengdu und besuchten David am Abend im Krankenhaus. Er lag im Notfall-Aufnahmeraum und da seine Situation bez\u00fcglich des weiteren Vorgehens unklar war, wurde er dort mit einem Dutzend anderer Patienten \u201czwischengelagert\u201d. Lediglich ein Vorhang trennte ihn von anderen Leidensgenossen. Da wollte keiner von uns liegen \u2026 Ihn dort zu sehen, tat mir unendlich leid und ich wusste, dass er eine elend lange Nacht vor sich hatte. Die Kommunikation mit dem Krankenhauspersonal stellte sich wie gew\u00f6hnlich als schwierig heraus, da sich kaum jemand mit ausreichenden Englischkenntnissen finden liess. <\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Wir versprachen, die Versicherung mit allen notwendigen Informationen zu versorgen und ihn am n\u00e4chsten Morgen wieder zu besuchen \u2026<\/span><\/p>\n<h4 lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">We are there, when you need us<\/span><\/h4>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Was uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz klar war, ist die Tatsache, dass man sich hier lediglich medizinisch um ihn k\u00fcmmern w\u00fcrde. Nachdem seine H\u00fcfte vor\u00fcbergehend stabilisiert wurde, bedeutete das in seinem Fall lediglich Schmerztherapie. Pflege- und Versorgungsmassnahmen obliegen der Familie des Patienten. Das ging so weit, dass das Krankenhauspersonal am n\u00e4chsten Morgen nicht einmal mehr bereit war, seine Urinflasche zu leeren. Ich muss sicher nicht ausf\u00fchren, wie gl\u00fccklich er war,\u00a0 uns wiederzusehen &#8230; <\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Da sich die medizinischen Leistungen ohnehin nur auf verschriebene Schmerztabletten beschr\u00e4nkten, entschieden wir, dass er besser mit uns im Hotel aufgehoben sei. Parallel verfolgten wir auf seinen Wunsch hin das Ziel, ihn so schnell wie m\u00f6glich zur\u00fcck nach Australien zu fliegen. Es stellte sich heraus, dass es einmal w\u00f6chentlich einen Direktflug von Chengdu nach Melbourne gab und dieser bereits am kommenden Abend stattfand. Wir gaben uns also der Illusion hin, mit ausreichend Schmerzmitteln und Kr\u00fccken seine Flugtauglichkeit f\u00fcr die Business Class herstellen zu k\u00f6nnten. Doch es war wohl eher der Wunsch Vater des Gedanken und wenige Stunden vor Abflug scheiterte dieser Versuch kl\u00e4glich aufgrund irrsinniger Schmerzen, als David versuchte mit Hilfe der Kr\u00fccken ein paar Schritte vorw\u00e4rts zu machen. Wir sassen also erst einmal fest. Dennoch verbrachte David die kommenden zwei N\u00e4chte mit uns im Hotel, was seiner Stimmung deutlich zutr\u00e4glich war, bedenkt man, unter welchen Umst\u00e4nden er die erste Nacht im West China Hospital verbrachte. Dann jedoch wollte die Versicherung ihn wieder im Krankenhaus sehen, wo er dieses Mal allerdings angemessener untergebracht war.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Wir sind gew\u00f6hnlich schnell dabei, unsere eigenen Sozialsysteme zu kritisieren und es mag daf\u00fcr auch gute Gr\u00fcnde geben. Doch in unserer Gesellschaft wird heutzutage vieles als gegeben angesehen, so dass wir kaum noch wahrnehmen, wie grossartig das bereitgestellte Leistungsspektrum tats\u00e4chlich ist. Ger\u00e4t man dagegen einmal in eine ernsthafte Situation ausserhalb des eigenen Komfortbereiches und ohne die M\u00f6glichkeit auf einen Freifahrtschein nach Hause, wird man vielleicht trotz aller Probleme und Unzul\u00e4nglichkeiten der eigenen Systeme wieder anfangen, die Errungenschaften seiner Gesellschaft zu wertsch\u00e4tzen.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Die Tage verstrichen und unsere Kommunikation mit David&#8217;s Versicherung w\u00fcrde sich blendend fuer eine Fallstudie eignen. Dabei hatte seine Versicherung so ein vielversprechendes Motte: \u201cWe are there when you need us\u201d. Die Wirklichkeit sah dann wohl doch ein klein wenig anders aus und obwohl wir noch am Tag des Unfalls alle Unterlagen zusammenstellten und entsprechende Frageb\u00f6gen komplettierten, waren Hoffnung und Verzweiflung stetige Gef\u00e4hrten auf einer siebent\u00e4gigen emotionalen Achterbahnfahrt. Nachdem David eine Woche mit gebrochenen H\u00fcfte ans Bett gebunden war, zeigte sich endlich Licht am Ende des Tunnels. Ein kleines Rettungsflugzeug holte ihn in Chengdu ab und flog ihn nach Bangkok, wo alles vorbereitet war und die dringend notwendige OP sofort nach Ankunft durchgef\u00fchrt wurde. Jeder von uns hat wohl innerhalb dieser Woche seine eigene Versicherungspolice mit Blick auf einen m\u00f6glichen Reiseruecktransport gepr\u00fcft. David ist mittlerweile wieder in Australien und auf dem Wege der Besserung.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Am Tag des Unfalls ging jedoch noch mehr zu Bruch. Auch mein Telefon und mein Notebook wurden im Rahmen der Ereignisse dieses Tages so stark besch\u00e4digt, dass es zum Totalausfall mit Datenverlust kam. Doch so sehr die aktuellen Geschehnisse auch auf unsere Stimmung dr\u00fcckten \u2013 wir z\u00e4hlten nach wie vor zu den Gl\u00fccklichen. Wir mussten es nur sehen wollen! Einen Tag nach dem Unfall erfuhren wir, dass eine der Br\u00fccken, welche wir \u00fcberquerten, nur wenige Stunden nach uns einst\u00fcrzte. Sechs Autos sowie deren Insassen wurden von den Fluten mitgerissen. Der Vorfall war in allen News.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Durch den Verlustes von Notebook und Daten gab es in den vergangenen Wochen wenig zu berichten. Mein Notebook ging nun auf seine eigene Reise und flog nach Hongkong, von wo aus mein Bruder es mit nach Deutschland nahm. Ob da noch was zu retten ist, wird sich zeigen. Eine SSD (Solid-State-Drive) ist zwar wesentlich unempfindlicher als eine konventionelle Festplatte, doch musste ich auch feststellen, dass bisher kaum jemand in der Lage ist, bei einem Schaden die Daten auszulesen. <\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Dabei g\u00e4be es noch so manches zu berichten: In Kirgistan wurden Maschinengewehre auf Kim und mich gerichtet. Auf 3.000 Metern gerieten wir in einen heftigen Eisregen und verbrachten die Nacht in nomadischen Jurten. Wir entgingen nur knapp einem katastrophalen Crash in den Bergen und auf meinem Weg zur chinesischen Grenze wurde die Landschaft durch einen Schneesturm neu definiert. In China durchquerten wir die Taklamakan W\u00fcste und ich musste feststellen, dass chinesische H\u00fchnchengerichte so gar nicht zu meinen Favoriten geh\u00f6ren. <\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000;\">Doch dazu mehr, wenn sicher ist, dass sich ein paar der verlorenen Daten retten liessen \u2026<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gab nun seit Wochen kein Update mehr auf dieser Seite aber es gab auch gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr \u2026 Manchmal reicht ein Wimpernschlag und die Welt um einen herum erscheint in einem anderen Licht. 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