{"id":2881,"date":"2013-12-03T09:45:14","date_gmt":"2013-12-03T08:45:14","guid":{"rendered":"http:\/\/headingeast.de\/?p=2881"},"modified":"2013-12-05T17:18:31","modified_gmt":"2013-12-05T16:18:31","slug":"mustang-a-ride-to-remember","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/headingeast.de\/de\/mustang-a-ride-to-remember\/","title":{"rendered":"Mustang \u2013 Ein Aufstieg am Limit"},"content":{"rendered":"<style type=\"text\/css\"><!--\n<span style=\"overflow:hidden;line-height:0px\" data-mce-style=\"overflow:hidden;line-height:0px\" id=\"mce_0_start\" data-mce-type=\"bookmark\"><\/span><!-- P { margin-bottom: 0.21cm; }\n--><\/style>\n<style type=\"text\/css\"><!--\nP { margin-bottom: 0.21cm; }\n--><\/style>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">The brick walls are there for a reason. The brick walls are not there to keep us out. The brick walls are there to give us a chance to show how badly we want something. Because the brick walls are there to stop the people who don\u2019t want it badly enough. They\u2019re there to stop the other people.<br \/>\n<span style=\"color: #c0c0c0;\">\u2013 Randy Pausch<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<style type=\"text\/css\"><!--\nP { margin-bottom: 0.21cm; }A:link {  }\n--><\/style>\n<style type=\"text\/css\"><!--\nP { margin-bottom: 0.21cm; }\n--><\/style>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Es war der mit Abstand h\u00e4rteste Off-Road Trip, den ich jemals unternommen habe und mit einer voll beladenen GS Adventure w\u00fcrde ich es nicht noch einmal tun. Die Erfahrung hingegen ist unbezahlbar und ich m\u00f6chte diese Tage im Annapurna Conservation Area keinesfalls missen. Es war wohl die Herausforderung, welche ich im Himalaya gesucht hatte, doch kam ich auch meinen physischen Grenzen an diesem Fleckchen Erde n\u00e4her als erwartet \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Am Tag, als ich Kathmandu verliess wurde klar, dass die schlechten Strassen mit dem vielen Dreck und M\u00fcll ihren Tribut fordern w\u00fcrden. Ein gut acht Zentimeter langer Nagel hatte sich in meinen Hinterreifen gebohrt und an mehreren Stellen fanden sich kleine Schnitte und Glassplitter. Das war um so \u00e4rgerlicher, da meine in Thailand aufgezogenen Michelin-Reifen noch immer nahezu neuwertig waren. Mit diesem Tag sollte also auch eine lange Patchwork-Serie beginnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Ich verbrachte die Nacht in Pokhara und war am n\u00e4chsten Morgen um 5 Uhr auf den Beinen. Eine Stunde sp\u00e4ter verliess ich die Stadt und machte mich auf den Weg ins 180 Kilometer entfernte Muktinath. Nach wenigen Kilometern auf der Strasse begr\u00fcsste mich der Tag mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang und liess die schneebedeckten Bergkuppen r\u00f6tlich leuchten. What a great day!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Auf der H\u00e4lfte der Strecke von Pokhara nach Muktinath kommt man durch Beni. Die Strasse ist bis hier weitestgehend gut asphaltiert, nimmt man nicht wie ich auf den letzten 10 Kilometern unbeabsichtigt die Parallelstra\u00dfe auf der westlichen Flussseite. Somit erhielt ich etwas fr\u00fcher als erwartet eine Kostprobe von dem, was kommen sollte. Nachdem ich Beni wieder verliess, begann der eigentlich &#8222;interessante&#8220; Teil des Tages \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Von Beni bis Muktinath waren es lediglich noch 90 Kilometer. Ich wusste, dass die Stecke off-road sein w\u00fcrde, doch ich hatte wirklich keine Ahnung, was der Himalaya an diesem Tag f\u00fcr mich bereit hielt &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Ich kam nur langsam voran und die Strasse wurde zunehmend schlechter. Modrige Passagen erschwerten mir das Durchkommen und nach etwa 10 Kilometern ging ich das erste Mal auf einer felsigen, mit Schlamm verschmierten Steigung zu Boden. Das war kein gutes Zeichen. Es war noch vor Mittag, meine Kondition war gut und meine physischen &#8222;Akkus&#8220; voll geladen. Was w\u00fcrde mich auf den verbleibenden 80 Kilometern erwarten? Ich haderte mit mir. Sollte ich umkehren? Mittlerweile konnte ich ausmachen, dass ich pro Stunde nur etwa 10 Kilometer Wegstrecke gutmachen w\u00fcrde. Es schien bereits jetzt ein langer Tag zu werden. Das, was sich mir hier darbot, war keine Strasse mehr. Das waren Steigungen \u00fcber stufenartige Felsen, grosse Steine, ausgesp\u00fclte Flussbetten, gr\u00f6bsten Schotter und Sand. Von Beni bis Muktinath windet sich der Treck von 800 H\u00f6henmetern auf 3.800 Meter hinauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">So lange man stehend auf dem Bike vorw\u00e4rts marschiert, sind auch schwierige Passagen machbar. Die eine Hand am Gas, die andere an der Kupplung sprang mein Vorderrad nur noch rechts und links \u00fcber Felsen und grosse Steine bergauf. Da kommt der Augenblick, wo man seine Pferde mal wieder z\u00fcgeln muss. Kommt man jedoch zum Stehen, verliert man auch sein Momentum und auf solchen Steigungen und derart grobem Untergrund wieder in die G\u00e4nge zu kommen, birgt ein erh\u00f6htes Crash-Risiko. Ich kam gar nicht mehr dazu, mich aufzurichten. Das Hinterrad rutschte beim Anfahren seitlich \u00fcber die Felskanten und ich ging mit meiner Maschine zum zweiten Mal auf steinigem Grund hart zu Boden.\u00a0 <i>F-U-C-K !<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Der Gedanke einfach umzukehren ging mir auf den ersten 30 Kilometern mehrfach durch den Kopf. Die letzten beiden St\u00fcrze hinterliessen einige kleine Sch\u00e4den, die ich jedoch provisorisch mit Kabelbindern fixen konnte. Was aber, wenn irgend ein elementares Teil am Bike bricht? F\u00fcr diesen Aufstieg war die BMW einfach zu schwer. Das waren keine Alpenstra\u00dfen und Ersatzteile w\u00fcrde es in ganz Nepal nicht geben. Dennoch wollte ich nach Mustang. Die Region grenzt im Norden an China und die Tibetanische Hochebene und ich hatte so manches \u00fcber das fr\u00fchere K\u00f6nigreich von Lo geh\u00f6rt. Mit mir selbst im Zwiegespr\u00e4ch entschied ich mich dazu, nur einen derartigen off-road Trip in die Bergwelt Nepals zu unternehmen. Doch w\u00fcrde es genau dieser sein. Ich wollte nach Mustang und ich wollte bis nach Muktinath rauf \u2026<\/p>\n<blockquote>\n<p lang=\"en\" align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\">Only those who will risk going too far can possibly find out<br \/>\nhow far one can go. \u00a0<span style=\"color: #c0c0c0;\">\u2013\u00a0 T. S. Eliot<\/span><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Gegen Mittag waren meine Akkus im roten Bereich und ich war wohl selten so erledigt, wie an diesem Tag. Man f\u00e4hrt \u00fcber Stunden fasst nur stehend im ersten Gang und ich hatte ein Gesamtpaket von 400 Kilogramm bergauf zu wuchten. Trotz erfrischender 16 Grad war mein Shirt klatschnass und so mancher Kraftausdruck sollte an diesem Tag \u00fcber meine Lippen kommen. Zu diesem Zeitpunkt entschied ich mich bereits, die Nacht in Jomsom zu bleiben und die restlichen 25 Kilometer am Folgetag anzugehen. Allerdings waren es noch weitere 40 Kilometer bis Jomsom. Vier weitere Stunden bergauf erschienen mir zu diesem Zeitpunkt wie eine kleine Ewigkeit. Weitere Pausen konnte ich mir kaum erlauben, da der Sonnenuntergang definitiv das Ende des Tages markieren w\u00fcrde und es war mehr als nur ratsam, bei D\u00e4mmerung eine Unterkunft ausgemacht zu haben \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Es wird ein unvergesslicher Aufstieg bleiben und die Bilder sprechen sicher f\u00fcr sich. Das letzte St\u00fcck Wegstrecke bestand nur noch aus einem schmalen Trekking-Pfad und liess meinen Adrenalinspiegel noch einmal sprunghaft ansteigen. Als ich Muktinath am Folgetag erreichte, hatte ich Blasen an beiden H\u00e4nden und musste nach einer heissen Dusche feststellen, dass auch mein Hoseng\u00fcrtel mittlerweile auf dem kleinsten Loch angekommen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Das Foto mit meiner Adventure in Muktinath ist nur eines von vielen Bildern dieser Reise. Es ist noch nicht einmal eine sonderlich spektakul\u00e4re Aufnahme, doch steht dieses Bild f\u00fcr eine ungeahnte Herausforderung, Zweifel, Frustration, atemberaubende Momente, wundersch\u00f6ne Landschaften und am Ende ein Ziel, das mich f\u00fcr alle Strapazen zu entsch\u00e4digen wusste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Die Nacht war kalt und meine Gedanken kreisten lange um den Abstieg. Irgendwann kam mir die hilfreiche Idee, die Sitzbank etwas tiefer zu stellen, was bei derart unebenen Terrain mehr Bodenkontakt erlaubt. Als ich den kleinen Ort am Morgen verliess, zeigte das Thermometer gerade einmal ein Grad Celsius an. Ich wischte den weisser Reif von der Sitzbank und trat den R\u00fcckweg an. Trotz Temperaturen um den Nullpunkt dauerte es keine f\u00fcnf Minuten und Mensch und Maschine waren wieder auf Betriebstemperatur. Daf\u00fcr sorgte allein schon der schmale Trekking-Pfad auf den ersten Kilometern. Am Ende war der Weg nach unten jedoch weit weniger anstrengend als ich vermutete und ich erreichte Beni nach gut 7 Stunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">An den darauffolgenden Tagen drang ich weiter in den Westen Nepals vor, wobei mir auch die Nacht in Bahluwang noch l\u00e4nger in Erinnerung bleiben wird. Es war ein Sonntag und ich wollte nach Lumbini, dem Geburtsort von Siddhartha (Lord Buddha). Der Ort an sich ist jedoch recht unspektakul\u00e4r. Es gibt einen grossen von Mauern umgebenen Park, in dem diverse buddhistische Staaten ihre Tempel errichten und aussen herum findet sich das ein oder andere Hotel. So entschied ich am fr\u00fchen Nachmittag noch weiterzureisen und kam bei Sonnenuntergang nach Bahluwang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Bahluwang ist ein unscheinbarer kleiner Ort, der auf der Durchreise liegt. Doch sollte ich die Nacht hier nicht alleine auf meinem Zimmer verbringen. Hunderte kleiner brauner Heuschrecken hatten an diesem Abend dieselbe Idee. Vom Licht magisch angezogen, musste man sich schon beim Abendessen mit diesen Grash\u00fcpfer nervig herumschlagen. Es gab ohnehin nur Dal Bath (Reis mit Linsensuppe) und ein paar wenig schmackhafte St\u00fccken Schaf- oder Hammelfleisch. Daf\u00fcr durfte ich aber so manche Heuschrecke aus meinem Essen fischen. Zur\u00fcck auf meinem sehr bescheidenen 5 Dollar-Zimmer musste ich feststellen, dass ich mittlerweile nicht mehr alleine war und dutzende kleiner Zimmergenossen hatte. Grossartig! Ich h\u00e4tte liebend gerne das Hotel gewechselt, doch ich hatte mir alle Unterk\u00fcnfte in diesem kleinen Ort bereits zuvor angesehen. Wechseln war nicht wirklich eine Alternative. Mein Hotel schien schon die beste Wahl vor Ort gewesen zu sein. Also w\u00fcnschte ich meinen kleinen und \u00fcberall im Zimmer herumsitzenden Freunden eine gute Nacht und knipste das Licht aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Bevor ich Nepal verliess, verbrachte ich noch ein paar angenehme Tage in Birendranagar, wo ich mich vornehmlich mit der Frage nach meinem Indien-Visum herumschlug. Sumit, der Sohn des Hotelbesitzers stand mir dabei \u00e4usserst hilfreich zur Seite und f\u00fchrte so manches Telefonat in meinem Sinne. Von hier aus unternahm ich noch einen sch\u00f6nen Tagesausflug nach Dailekh und machte mich dann schliesslich auf den Weg in Richtung Dhangadhi. Nach gut vier Wochen wartete ich auf einer kleinen Landepiste im Westen Nepals auf meinen Reisepass.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"LEFT\">Einen Tag sp\u00e4ter w\u00fcrde ich die Grenze nach Indien \u00fcberqueren &#8230;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war der mit Abstand h\u00e4rteste Off-Road Trip, den ich jemals unternommen habe und mit einer voll beladenen GS Adventure w\u00fcrde ich es nicht noch einmal tun. Die Erfahrung hingegen ist unbezahlbar und ich m\u00f6chte diese Tage im Annapurna Conservation Area keinesfalls missen. 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