{"id":2946,"date":"2014-03-07T17:18:15","date_gmt":"2014-03-07T16:18:15","guid":{"rendered":"http:\/\/headingeast.de\/?p=2946"},"modified":"2014-03-11T09:18:48","modified_gmt":"2014-03-11T08:18:48","slug":"india-incredible-india","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/headingeast.de\/de\/india-incredible-india\/","title":{"rendered":"Indien &#8211; Eine andere Welt"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0To love. To be loved. To never forget your own insignificance. To never get used to the unspeakable violence and the vulgar disparity of life around you. To seek joy in the saddest places. To pursue beauty to its lair. To never simplify what is complicated or complicate what is simple. To respect strength, never power. Above all, to watch. To try and understand. To never look away. And never, never to forget. <span style=\"color: #c0c0c0;\">\u2015 Arundhati Roy<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Incredible India&#8220; ist in vielerlei Hinsicht &#8222;unglaublich&#8220;: Unglaublich farbenfroh und sch\u00f6n, doch zugleich so unglaublich chaotisch, dreckig und laut. Unglaublich reich an Kultur und Geschichte und doch so unglaublich arm, befremdlich und anders als die Westliche Welt &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz der vielen Monate, die ich mittlerweile durch fremde L\u00e4ndern und Kulturen gereist bin, brauchte ich einige Tage, um mich an die neuen &#8222;Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten&#8220; zu gew\u00f6hnen. Auf dem langen Weg nach Indien kam es immer wieder mal zu kritischen Situationen auf der Strasse. Gelegentlich habe ich mir dann zu sagen versucht, dass all dies nur &#8222;Trocken\u00fcbungen&#8220; im Vergleich zu dem sind, was mich vermutlich in Indien erwarteten wird. Und damit lag ich keineswegs falsch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf indischen Strassen spielt es keine Rolle, wo man herkommt. Jeder wird gleich behandelt. Klingt zwar fair, ist aber in einer Art und Weise r\u00fccksichtslos und gef\u00e4hrlich, dass ich meine M\u00fche mit den hiesigen &#8222;Umgangsformen&#8220; hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war ein Sonntag und es war der Hauptfesttag von Diwali, dem hinduistischen Fest des Lichts. Ich erreichte die Grenze am fr\u00fchen Vormittag. W\u00e4hrend ich mich noch dar\u00fcber wunderte, wo und wann ich den Zoll auf nepalesischer Seite passieren w\u00fcrde, hatte ich den Grenzposten auch schon hinter mir gelassen. Nun, es w\u00e4re zu sch\u00f6n gewesen, wenn die Welt tats\u00e4chlich so einfach w\u00e4re, doch ich brauchte dringend einen Ausreisestempel in meinem <a title=\"Carnets de Passages\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carnet_de_Passages\" target=\"_blank\">Carnet de Passages<\/a>. Wo also war die Zollkontrolle? Wie sich herausstellte, hatte ich diesen Posten schon l\u00e4ngst passiert, ohne dass es jemand f\u00fcr n\u00f6tig gehalten h\u00e4tte mich anzuhalten. Es war also an mir, daf\u00fcr zu sorgen, dass alles rechtm\u00e4\u00dfig verl\u00e4uft. Das Vorgehen war mir neu &#8230; In jedem Fall musste ich noch einmal zur\u00fcck hinter den Grenzbalken, um meine eigene l\u00fcckenlose Dokumentation sicherzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf indischer Seite wartete dann die n\u00e4chste \u00dcberraschung. Wie sich herausstellte, wurde mein Carnet in Nepal falsch gestempelt. Dort wo der Ausreisestempel h\u00e4tte erscheinen sollen, befand sich der Einreisestempel. Dieser Fehler war aber bereits im Hauptzollamt des Flughafens in Kathmandu gemacht worden. Gro\u00dfartig. Nach einigen Diskussionen mit dem indischen Zollbeamten machte sich dieser schlie\u00dflich doch noch daran, die n\u00e4chste Seite meines Dokumentes ordnungsgem\u00e4\u00df von seiner Seite zu stempeln. Im Carnet de Passages sollte man derart fehlerhafte Dokumentationen besser vermeiden, da hierf\u00fcr im Heimatland entweder signifikante Geldsummen oder Bankb\u00fcrgschaften hinterlegt werden m\u00fcssen. Bleibt zu hoffen, dass der Vorfall nicht irgendwann zu weiterer Verwirrung f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann war ich in Indien, einem Land, welches vielleicht besser zu verstehen ist, wenn man es als multikulturellen Subkontinent zu begreifen versucht. An diesem Sonntag hatte ich noch gut 350 Kilometer vor mir. Doch die Strassen waren schlecht und ich kam nur langsam voran. Auch musste ich innerhalb der n\u00e4chsten Stunden feststellen, dass Umsichtigkeit auf indischen Strassen nicht viel galt. Jeder ist sich hier selbst der N\u00e4chste und f\u00e4hrt so, wie es ihm am ehesten dienlich ist. Vorfahrtsregeln haben wenig Bedeutung, Ampelfarben sind gut gemeinte aber fragw\u00fcrdige Vorschl\u00e4ge zur Verkehrsregelung, Stra\u00dfenschilder dienen lediglich als Orientierungshilfe ohne Verbindlichkeit und aus Seitenstrassen kommende Mopeds und Fahrzeuge gehen schlicht davon aus, dass der Hauptverkehr schon bremsen wird. Noch vor Sonnenuntergang war ich bereits zwei Mal einer Kollision nur knapp entgangen. Das konnte ja noch heiter werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Abend wurde ich in Dehradun erwartet und war recht froh, dass ich an diesem Tag bereits im Vorfeld wusste, wo ich die Nacht verbringen w\u00fcrde. Ich erreichte die Stadt erst in der Dunkelheit und irrte die letzte Stunde durch eine dunkle Berglandschaft ohne verf\u00fcgbares Kartenmaterial. Es gab einfach zu viele Weggabelungen und mir blieb nichts anderes \u00fcbrig, als einen Pfad nach dem anderen auszuprobieren, um so meinem gesetzten GPS Punkt n\u00e4her zu kommen. Nicht selten durfte ich umkehren. Anrufen konnte ich nicht, da meine Nepalesische SIM Karte nicht mehr funktionierte. Am Ende traf ich in der Dunkelheit auf ein paar junge Inder, welche meine Suche deutlich verk\u00fcrzten. Roopak hie\u00df mich mit einem freundlichen L\u00e4cheln herzlich willkommen, w\u00e4hrend ich wenig sp\u00e4ter auf dem Weg ins Bad feststellen musste, dass mein ru\u00dfverdrecktes Gesicht, dem eines Schornsteinfegers glich. Doch eine Dusche und frische Kleidung k\u00f6nnen wahre Wunder wirken und so verbrachte ich den restlichen Abend im Rahmen der Familie und wurde herzlich eingeladen, den Feierlichkeiten des Diwali Festivals beizuwohnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am n\u00e4chsten Tag war mir Roopak dabei behilflich, eine lokale SIM Karte f\u00fcr mein Telefon zu besorgen. Es sollte allerdings noch Tage dauern, bis diese Karte tats\u00e4chlich aktiviert wurde. Am Ende der Woche hatte ich ihm eine Vielzahl nerviger Telefonate zu verdanken. So ziemlich alles in Indien involviert weit mehr Papier als ich es aus anderen L\u00e4ndern kannte und noch oft w\u00fcrde ich mich in den kommenden Monaten fragen, wer eigentlich all die Informationen jemals konsolidieren wollte, die ich im ganzen Land an unz\u00e4hligen Orten in Formulare oder B\u00fccher eintrug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend ich mit Roopak durch die Stadt fuhr, machte er mich darauf aufmerksam, dass viele Fahrzeuge in Indien keine Au\u00dfenspiegel (mehr) haben oder diese bewusst einklappen. Damit d\u00fcrfte klar sein, dass es niemanden wirklich interessiert, was hinter einem passiert. Daf\u00fcr wird jedoch erwartet, dass man \u00dcberholman\u00f6ver mittels Hupe ank\u00fcndigt. Auf nahezu allen Lastwagen und Bussen findet sich die ausdr\u00fcckliche Aufforderung &#8222;Please Horn!&#8220; Wenn ich also eines an meiner BMW-Standardkonfiguration \u00e4ndern w\u00fcrde, dann w\u00e4re es eine deutlich gr\u00f6\u00dfere Hupe. Manche Mopeds klangen wie Busse. In dieser Hinsicht fiel meine Originalausstattung ausnahmsweise mal etwas zu bescheiden aus.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Amritsar \u2013 Sonnenaufgang im Heiligtum der Sikh<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am n\u00e4chsten Morgen verabschiedete ich mich von Roopak und machte mich auf den Weg nach Amritsar. Die Stadt liegt im Nordwesten Indiens, kurz vor der pakistanischen Grenze. Amritsar an sich ist nicht\u00a0 wirklich eine Reise wert. Die Stadt ist bedauerlicherweise recht dreckig und ansonsten wenig spektakul\u00e4r. Nach einem recht langen und erm\u00fcdenden Tag auf der Strasse befand sich meine Stimmung nicht gerade auf einem emotionalen H\u00f6hepunkt, als ich mich mit meiner GS durch die verstopften und \u00fcberf\u00fcllten Strassen der Stadt schob.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich suchte mir daraufhin ein halbwegs ansprechendes Hotel au\u00dferhalb des Zentrums. Doch das erste, was ich sah, als ich auf meinem Zimmer das Licht anknipste, war eine Kakerlake, welche die Wand hochschoss. Die Bettlaken waren fleckig und die Dusche verkeimt. Passte irgendwie zur Stadt &#8230; Willkommen in Indien!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch in dieser wenig attraktiven Stadt findet sich das Heiligtum der Sikh und ich wollte am n\u00e4chsten Morgen vor Sonnenaufgang den Goldenen Tempel \u2013\u00a0Harmandir Sahib \u2013 besuchen. Gegen 4:30 Uhr in der Fr\u00fch war ich keineswegs alleine. Hunderte Gl\u00e4ubige folgten einer Prozession, badeten im heiligen Wasser\u00a0 oder beteten innerhalb der Tempelanlage.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Kashmir \u2013 Der politische Brennpunkt<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am sp\u00e4ten Vormittag verlie\u00df ich dann jedoch Amritsar und machte mich auf den Weg in den Norden. Ich wollte noch vor Wintereinbruch ins Kashmir Valley. Die Strecke von Jammu nach Kashmir windet sich auf gut 300 Kilometern durch die Berge und da das Kashmir Valley immer noch einen politischen Brennpunkt zwischen Indien und Pakistan darstellt, mangelt es in der Region auch nicht an Milit\u00e4rpr\u00e4senz. Zudem hatte ich auf meinem Weg nach Srinagar das Vergn\u00fcgen, mir die Strasse mit einem Milit\u00e4rkonvoi\u00a0 zu teilen. Auf teilweise engen Bergstra\u00dfen muss ich an diesem Tag wohl hunderte von Bussen und Lastwagen \u00fcberholt haben. Manch einer mag erahnen, wie viel Russ mir bei den hiesigen Abgasnormen ins Gesicht geblasen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Urspr\u00fcnglich hatte ich vor, in den kommenden Tagen weiter nach Ladakh zu fahren. Es w\u00e4re noch einmal ein wahrer H\u00f6hepunkt im Himalaya gewesen. Doch es waren noch zwei weitere volle Tage von Srinagar \u00fcber Kargil nach Leh. Die Strecke f\u00fchrt \u00fcber zwei der am h\u00f6chsten gelegenen P\u00e4sse der Welt. Beide \u00fcber 5.000 Meter, wobei die Temperaturen weit unter Null Grad fallen. Zudem war es bereits Mitte November und es gab ein erh\u00f6htes Schneefallrisiko im Himalaya. Die andere Seite der Bergregion, die Strasse von Manali nach Leh war bereits gesperrt. Ich m\u00fcsste also den gleichen Weg wieder zur\u00fcck. Noch einmal zwei Tage &#8230; W\u00fcrde es demnach innerhalb der n\u00e4chsten Tage erneut schneien, w\u00e4re es nicht unwahrscheinlich, dass die P\u00e4sse f\u00fcr dieses Jahr endg\u00fcltig gesperrt werden. Und dann sitzt man im wahrsten Sinne des Wortes fest &#8230; und zwar bis zum Fr\u00fchling, da die P\u00e4sse f\u00fcr gew\u00f6hnlich erst wieder Ende April \/ Anfang Mai befahrbar sind. Als Roopak von meinen Pl\u00e4nen h\u00f6rte, meinte er nur l\u00e4chelnd: &#8222;If you try to get to Ladakh by now, you are really asking for trouble.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die endg\u00fcltige Entscheidung fiel in Srinagar. Schweren Herzens musste ich meine urspr\u00fcnglichen Pl\u00e4ne aufgeben. Es kostete mich acht Stunden von Jammu nach Srinagar, wobei die Temperaturen bis auf 4 Grad fielen. Meine H\u00e4nde waren klamm und die K\u00e4lte sa\u00df mir in den Knochen. Weitere acht Stunden unter Null Grad Celsius waren keine so wirklich gute Idee in meiner &#8222;Sommerausr\u00fcstung&#8220; und so sehr ich die Eigenschaften meiner 1200 GS zu sch\u00e4tzen wusste, sie war weit davon entfernt, sich mit einem Schnee-Mobil messen zu k\u00f6nnen. Ladakh w\u00fcrde ich also nicht mehr sehen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf meinem Weg von Jammy &#038; Kashmir nach Delhi, verbrachte ich einen angenehmen Abend in McLeod Ganj einem kleinen Ort oberhalb von Dharamsala, im Bundesstaat Himachal Pradesh.\u00a0 Es ist der Wohnort des Dalai Lama, sofern dieser nicht gerade durch die Welt reist. Die Residenz des tibetanischen Oberhauptes hat dem Ort einen touristischen Aufschwung beschert, bietet jedoch eine Vielzahl guter \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten und kleiner, netter Restaurants.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einer weiteren Nacht in Shimla machte ich mich auf den Weg nach Delhi, wo ein Freund mich willkommen hie\u00df. Roopak begr\u00fc\u00dfte mich wie \u00fcblich mit einem L\u00e4cheln und half mir in den darauffolgenden Tagen, meine To-Do-Liste abzuarbeiten: Der Tankrucksack brauchte einen neuen Rei\u00dfverschluss, meine Motorradhose musste gen\u00e4ht werden und mein Hinterradreifen wartete darauf, zum sechsten Mal geflickt zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz darauf war ich wieder ger\u00fcstet, um in den kommenden Wochen die W\u00fcste Rajasthans, den Taj Mahal, Jaipur und Udaipur sowie einen gewaltiger Salzsee in Gujarat zu erkunden &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Update coming soon !<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Indien ist in vielerlei Hinsicht unglaublich: Unglaublich farbenfroh und sch\u00f6n, doch zugleich so unglaublich chaotisch, dreckig und laut. 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