{"id":2989,"date":"2014-03-15T07:19:39","date_gmt":"2014-03-15T06:19:39","guid":{"rendered":"http:\/\/headingeast.de\/?p=2989"},"modified":"2014-03-18T05:51:22","modified_gmt":"2014-03-18T04:51:22","slug":"the-taj-mahal-rajasthan-and-gujarat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/headingeast.de\/de\/the-taj-mahal-rajasthan-and-gujarat\/","title":{"rendered":"Der Taj Mahal, Rajasthan und Gujarat"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>The happiest of people don&#8217;t necessarily have the best of everything; they just make the most of everything that comes along their way.\u00a0 <span style=\"color: #c0c0c0;\">\u2013\u00a0 Karen S. Magee<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte des Taj Mahal ist auch die Geschichte einer gro\u00dfen Liebe, es ist die Geschichte einer zerrissener Familie, die Geschichte untr\u00f6stlicher Trauer und eine Geschichte um Macht und Einfluss. Rabindranath Tagore beschreibt das Meisterwerk als \u201cteardrop on the cheek of Eternity\u201d, Rudyard Kipling als \u201cthe embodiment of all things pure\u201d und sein Erbauer, Shah Jahan, sagt der Taj Mahal liess \u201cthe sun and the moon shed tears from their eyes\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 1631 gebar Mumtaz Mahal, die dritte Frau von Shah Jahan sein 14. Kind. Mumtaz starb bei der Geburt und lie\u00df den Gro\u00dfmogul in tiefer Trauer und mit gebrochenem Herzen zur\u00fcck. Der Schmerz \u00fcber den Verlust seiner geliebten Gemahlin soll so gro\u00df gewesen sein, dass das Haar des Shahs sprichw\u00f6rtlich \u00fcber Nacht ergraute. Kurz darauf beschlie\u00dft Jahan, seiner Gattin ein Denkmal zu setzen. Es wird eines der ber\u00fchmtesten Grabm\u00e4ler der Geschichte werden. Im darauffolgenden Jahr beginnen die Baumassnahmen. Mehr als 20.000 Arbeiter aus Indien und Zentral-Asien werden am Bau beteiligt sein. Spezialisten aus Europa werden hinzugezogen und obwohl das Hauptgeb\u00e4ude in nahezu acht Jahren errichtet worden sein soll, der gesamte Komplex wurde erst 1653 fertig gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur wenige Jahre nachdem der Taj Mahal in seiner ganzen Sch\u00f6nheit erstrahlte, wird Shah Jahan von seinem Sohn Aurangzeb gest\u00fcrzt und im Agra Fort f\u00fcr den Rest seines Lebens eingesperrt bleiben. Sein Meisterwerk aus wei\u00dfem Marmor sollte er fortan nur noch aus der Ferne und durch das Fenster seiner Gef\u00e4ngniszelle zu sehen bekommen. Erst nach seinem Tode im Jahr 1666 w\u00fcrde der Shah seiner Gemahlin wieder nahe sein. Er wurde unterhalb des Taj Mahal neben dem Grabstein seiner Frau beigesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begibt man sich bei Sonnenaufgang auf die Ostseite des Taj Mahal, kann man beobachten, wie die im Marmor eingearbeiteten Edelsteine kleinen Feuer \u00e4hnlich aufleuchten. Das Kunstwerk aus wei\u00dfem Marmor ver\u00e4ndert seine Farbe bis die Sonne hoch hinaufgestiegen ist. Der Taj Mahal wird weitl\u00e4ufig als eines der sch\u00f6nsten Bauwerke der Welt bezeichnet und j\u00e4hrlich str\u00f6men weit mehr als eine Million Menschen durch die Tore der Stadt, um sich das architektonische Meisterwerk anzusehen. Nur wenige gehen entt\u00e4uscht. Ein wahrlich gewaltiges und prunkvolles Grabmal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Agra machte ich mich auf nach Sawai Madhopur, einer kleinen Stadt nahe des Ranthambhore National Parks. Nachdem ich bereits in einem Nationalpark in Nepal den Versuch unternommen hatte, Tiger zu sichten und das ganze Unternehmen eher einer Fahrt durch den Wald glich, dachte ich mir, ich versuch&#8217;s noch einmal in Indien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um 5:00 Uhr morgens war ich am Ticket-Office. Mein lieber Herr Gesangsverein! Das war Indien wie es leibt und lebt. Da gab es ja wohl gar kein System. Gut zwei Dutzend indischer Tour Guides rang hier um die ersten Pl\u00e4tze am Ticketschalter. Die rangelnden Inder bekamen sich dabei gelegentlich m\u00e4chtig in die Haare. Es gab keine Schlange zum Einreihen und keine Reihenfolge, lediglich ein wildes Gedr\u00e4nge. Ein junger Inder sprach mich an, wobei ich zugeben muss, dass ich so fr\u00fch am Morgen wenig an einem &#8222;Verkaufsgespr\u00e4ch&#8220; mit einem lokalen Tour-Guide interessiert war. Doch der junge Inder machte einen recht gebildeten Eindruck \u2026 Es stellte sich heraus, dass er neben mir der einzige Tourist war, der sich auf das Abenteuer einlie\u00df, seine Safari auf eigene Faust zu organisieren, anstatt die Tour \u00fcber die ans\u00e4ssigen Hotels zu buchen. Sein Name war Pranjal und aus dieser morgendlichen Begegnung sollte noch eine Freundschaft werden. Als ich ihn fragte, wann hier die Karten nun verkauft werden, meinte er nur, dass alles Wesentliche bereits geschehen sei. Na toll. Wie sollten wir dann bitte an unsere Safari-Tickets kommen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So richtig verstehen muss man das nicht, aber irgendwie bekamen wir es hin, dass wir letztlich auf einer der Listen landeten und um 7:30 Uhr sa\u00dfen wir in einem Jeep. Es war ein kalter Morgen und wie ich nat\u00fcrlich erst sp\u00e4ter erfuhr, stehen die Chancen einen Tiger zu Gesicht zu bekommen um diese Jahreszeit nicht sonderlich gut. Es sollte aber dennoch der Morgen werden, an dem ich meinen ersten Tiger in freier Wildbahn sah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen Mittag verabschiedete ich mich von Pranjal und machte mich auf nach Jaipur. Der Verkehr in Jaipur war wie in allen Gro\u00dfst\u00e4dten Indiens chaotisch. Von der Verkehrsdichte in Indien kann man sich nur schlecht ein Bild machen, wenn man es nicht selber erlebt hat. Aber bei 1,3 Milliarden Indern und einer grunds\u00e4tzlichen Tendenz zur Selbstbestimmung im Stra\u00dfenverkehr, darf man davon ausgehen, dass man f\u00f6rmlich von nach Vorne dr\u00e4ngenden Indern eingeschlossen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da sich grunds\u00e4tzlich jeder zu jeder Zeit benachteiligt f\u00fchlt und bei Gr\u00fcn immer noch die &#8222;anderen&#8220; fahren, macht man es dann bei Rot genauso und zahlt es den &#8222;anderen&#8220; heim. Unglaublich effektiv. Die Kreuzungen waren nicht selten mit wild hupenden Autos, Lastwagen und Bussen verstopft. Als der Verkehr mal etwas fl\u00fcssiger lief, hielt ich schlicht aus Prinzip an einer roten Ampel an. Mir war schon klar, dass ich mit meinem Verhalten nicht die Herzen meiner hinter mir fahrenden indischen Freude gewinnen w\u00fcrde. Doch sei&#8217;s drum. &#8222;You can&#8217;t be everybody&#8217;s darling.&#8220; Es wurde laut gehupt und der Verkehr floss fr\u00f6hlich munter rechts und links an mir vorbei. Ich hab&#8216; das Ganze noch genau einmal wiederholt &#8230; Das Problem ist, dass man selber zum unerwarteten Hindernis wird. Man tut sich also nicht unbedingt einen Gefallen und ich hatte wirklich keine Lust darauf, dass mich irgendein unachtsamer indischen Lastwagen irgendwann mit ungebremster Wucht \u00fcber die Kreuzung schie\u00dft. Das Problem m\u00fcssen tats\u00e4chlich andere in Indien l\u00f6sen. F\u00fcr mich galt von nun an, sich dem Fluss und den ungeschriebenen Regeln so gut wie m\u00f6glich anzupassen und gefahren wird immer dort, wo Platz ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich traf Pranjal zwei Tage sp\u00e4ter in Pushkar wieder, einem kleinen aber bedeutenden Pilgerort f\u00fcr Hindus. Der Ort umschlie\u00dft einen heiligen See und obwohl \u2013 wie so oft an solchen Orten \u2013 religi\u00f6se Beweggr\u00fcnde mit kommerziellen vermischt wurden, war es dennoch eine kleine Oase der Ruhe mit bunten Gassen und einer grandiosen Aussicht \u00fcber den See.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer h\u00e4tte \u00fcbrigens gedacht, dass ich mir mit jemandem, den ich gerade einmal ein paar Stunden kannte, ein Zimmer teilen w\u00fcrde. Und es kam auch gar nichts abhanden \ud83d\ude09 Ich verbrachte mit Pranjal ein paar nette Stunden in Pushkar und gab ihm am n\u00e4chsten Tag einen &#8222;Lift&#8220; zum Bahnhof in Ajmer. Leider hatte er an diesem Tag das Nachsehen. Kurz bevor er den Zug bestieg, zog ihm jemand unbemerkt den BlackBerry aus der Hosentasche. Ich h\u00f6rte erst drei Tage sp\u00e4ter wieder von ihm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rajasthan mit seinen vielen Forts und Pal\u00e4sten geh\u00f6rt mit zu den sch\u00f6nsten Regionen Indiens. Von Pushgar reiste ich nach Jodpur und dann weiter in die W\u00fcste von Jaisalmer. Nahe Jaisalmer verbrachte ich im Rahmen einer kleinen Camel-Safari eine Nacht unter freiem Himmel und genoss die Ruhe fernab von Trubel und Hektik. Der Camel-Treiber kochte uns ein einfaches aber durchaus schmackhaftes Mahl und w\u00e4hrend sich unser Blick in einem prachtvollen Sternenhimmel verlor, schliefen wir im Sand der W\u00fcste ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann machte ich auf eine mehrt\u00e4gige Fahrt nach Gujarat. Kurz bevor ich Bhuj erreichte, brannte mir bereits das vierte Abblendlicht auf dieser Reise durch. Eine passende Gl\u00fchlampe zu finden, kann in Indien zur echten Herausforderung werden. Ich fragte wohl in einem halben Dutzend Shops, sowie in Verkaufh\u00e4usern f\u00fcr Autos und Motorr\u00e4der. Am Ende waren es die Jungs von Chevrolet in Bhuj, die mich mehr als \u00fcberraschten. W\u00e4hrend man vielerorts gerne auch mal \u00fcbers Ohr gehauen wird, kam man mir hier mit einer Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft entgegen, die ihres Gleichen suchte. Man bestand sogar darauf, dass ich die Gl\u00fchlampe als Geschenk akzeptiere und gab mir noch eine zweite als Reserve mit. W\u00e4hrend mein Bike von der Belegschaft gewaschen wurde, lud man mich auf einen hei\u00dfen Becher mit s\u00fc\u00dfem Chai ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gebiet im Nordwesten von Gujarat tr\u00e4gt den Namen &#8222;Great Rann of Kutch&#8220; und darf wohl als geographisches Ph\u00e4nomen bezeichnet werden. Spektakul\u00e4r anzusehen ist die &#8222;Wei\u00dfe W\u00fcste&#8220;. Ein gro\u00dfen Salzsee, der sich w\u00e4hrend des Monsuns f\u00fcllt und von November bis April austrocknet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich die wei\u00df glitzernde Oberfl\u00e4che aus der Ferne erblickte, war bereits klar, dass ich da mit dem Bike drauf muss. Mir war jedoch nicht entgangen, dass alle Pkw&#8217;s am Rande der &#8222;White Desert&#8220; parkten. Ich konnte mir schon denken warum &#8230; aber hey, gute Fotos gibt es selten umsonst &#8230; und an manchen Tagen steckt eine anst\u00e4ndige Portion physischer Arbeit in den Bildern. Die Aufnahmen d\u00fcrften f\u00fcr sich sprechen &#8230; und wie ich vom See wieder herunterkam, ist eine andere Geschichte. November war der erste Monat, in dem der See anf\u00e4ngt auszutrocknen und unter der Salzschicht war der See glitschig wie Schmierseife. Meine GS versackte mir kl\u00e4glich in der Motter und es bedurfte schon mehr als einen Mann, um das Bike wieder vom See zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Gujarat hat noch mehr zu bieten. Im Hafen von Mandvi kann man zusehen, wie hunderte von M\u00e4nnern gewaltige Holzschiffe bauen und im S\u00fcden von Gujarat, an der K\u00fcste des Arabischen Meeres findet sich eine kleine Ex-Portugiesische Stadt namens Diu. Wenig Verkehr und zumeist saubere und ruhige Gassen laden hier zum Verweilen ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann wurde es jedoch Zeit, meinen langen Weg zur\u00fcck nach Delhi anzutreten. Ich machte noch f\u00fcr ein paar Tage Halt in Udaipur und tauchte dann wieder in die Hektik und luftverschmutzte Atmosph\u00e4re der Hauptstadt ein. Es waren nur noch wenig Tage bis Weihnachten und ich hatte ein Versprechen einzul\u00f6sen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Varanasi, eine der heiligsten St\u00e4dte im Hindu-Universum, Kalkutta und das Lebenswerk von Mutter Theresa, Bangalore mit seinen Techno-Parks und der tropische S\u00fcden Indiens w\u00fcrden bis Januar warten m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #ffffff;\">_<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Taj Mahal ist auch die Geschichte einer gro\u00dfen Liebe, es ist die Geschichte einer zerrissener Familie, die Geschichte untr\u00f6stlicher Trauer und eine Geschichte um Macht und Einfluss. 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