{"id":3140,"date":"2014-08-13T12:30:26","date_gmt":"2014-08-13T11:30:26","guid":{"rendered":"http:\/\/headingeast.de\/?p=3140"},"modified":"2019-05-30T15:36:31","modified_gmt":"2019-05-30T14:36:31","slug":"kerala-and-the-last-days-of-heading-east","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/headingeast.de\/de\/kerala-and-the-last-days-of-heading-east\/","title":{"rendered":"Kerala und die letzten Tage &#8222;Heading East&#8220;"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">The journey not the arrival matters. <span style=\"color: #c0c0c0;\">\u2013 T. S. Eliot<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine erste Nacht in Kerala verbrachte ich in Kochi. Die Stadt liegt an der Malabark\u00fcste im S\u00fcdwesten Indiens und zog H\u00e4ndler und Entdecker schon vor mehr als 600 Jahren in ihren Bann. Der historische Stadtteil (Fort Kochi) wurde stark von den Portugiesen gepr\u00e4gt und bietet Reisenden heute eine Vielzahl attraktiver \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Abend kaufte ich von den H\u00e4ndlern frischen Fisch und eine anst\u00e4ndige Portion Garnelen, um sie mir dann in einem der vielen kleinen Restaurants als Abendessen zubereiten zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Leben in Fort Kochi strahlte eine entspannte Atmosph\u00e4re aus und so blieb ich noch einen weiteren Tag und machte mich erst Sonntag Morgen in aller Fr\u00fch auf den Weg nach Munnar. Ich w\u00e4hlte die Route entlang der K\u00fcste, sah unz\u00e4hlige belebte Kirchen und wurde von einem herrlichen Sonnenaufgang in den Backwaters begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am sp\u00e4ten Nachmittag erreichte ich Munnar. Der kleine Ort in den Westghats von Kerala findet sich inmitten einer fantastischen Berglandschaft wieder. So weit das Auge reicht, werden H\u00fcgel und H\u00e4nge mit einem gr\u00fcnen Teppich aus Tee-B\u00e4umen \u00fcberzogen. Meine 1200 GS Adventure gab mir&nbsp; einmal mehr die Freiheit, die Bergwelt von Munnar auf eigene Faust zu erkunden. So machte ich mich in den darauffolgenden zwei Tagen auf, um kleinen Pfaden durch das Hochland von Munnar zu folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann f\u00fchrte mich mein Weg nach Valparai und kurz darauf zur\u00fcck an die K\u00fcste nach Allapuzha \u2013 auch bekannt als Alleppey. Man kann die Backwaters auf verschiedenste Weise erkunden und eine beliebte und oft von Touristen gew\u00e4hlte Alternative sind die bekannten Hausboote in Kerala. In Goa bekam ich jedoch von Patricia und Jan, einem holl\u00e4ndischen Ehepaar, den Tipp, mir in Alleppey ein Ticket f\u00fcr die \u00f6ffentliche F\u00e4hre nach Kottayam zu kaufen. Die F\u00e4hre kommt einem Bus gleich, der in den Backwaters eine Vielzahl von Haltestellen anl\u00e4uft. Im Vergleich zu den touristischen Hausbooten bekommt man mit der F\u00e4hre jedoch beim Einlaufen nach Kottayam einen wahren Einblick in das Leben der Menschen. Nicht das die F\u00e4hre sonderlich luxuri\u00f6s gewesen w\u00e4re. Doch Luxus spielte auf dieser Reise schon lange keine Rolle mehr. Ich wollte das Leben der Backwaters sehen und f\u00fcr weniger als 50 Cent kreuzte ich f\u00fcnf Stunden durch das verzweigte Wasserstra\u00dfennetz im Hinterland der Malabark\u00fcste. Ich sah, was ich zu sehen erhoffte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem weiteren Weg nach S\u00fcden bat mich ein Freund, der Hindu Times ein Interview zu geben. Obwohl dieses Anliegen schon h\u00e4ufiger an mich herangetragen wurde, war ich doch bereits regelm\u00e4\u00dfig wieder auf der Strasse, bevor es tats\u00e4chlich zu einem festen Termin kam. In diesem Fall tat ich Jerim jedoch den Gefallen und stoppte somit noch einmal f\u00fcr ein pers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch in Trivandrum. Wenige Tage sp\u00e4ter ver\u00f6ffentliche <a title=\"THE HINDU - Wonder of Wanderlust\" href=\"http:\/\/www.thehindu.com\/features\/metroplus\/society\/wonders-of-wanderlust\/article5839477.ece\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">THE HINDU<\/a> einen Artikel mit dem Titel <a title=\"THE HINDU - Wonder of Wanderlust\" href=\"http:\/\/www.thehindu.com\/features\/metroplus\/society\/wonders-of-wanderlust\/article5839477.ece\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Wonder of Wanderlust&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam kam ich der S\u00fcdspitze Indiens immer n\u00e4her und verbrachte lediglich noch zwei N\u00e4chte in Kovalam bevor ich Kanyakumari, den kleinen Fischerort am Kap Komorin erreichte. Als ich am Nachmittag durch den Ort schlenderte, h\u00f6rte ich pl\u00f6tzlich jemanden meinen Namen rufen. Zu meiner \u00dcberraschung traf ich noch einmal auf Christian, einen Deutschen, welchen ich in Fort Kochi kennengelernt hatte. Zusammen verbrachten wir einen sch\u00f6nen Abend, bevor es f\u00fcr mich Zeit wurde, zu Bett zu gehen. Ich hatte vor, das Kap gegen 4:00 Uhr morgens wieder zu verlassen, um mich auf den langen Weg zur\u00fcck nach Bangalore zu machen. Die Temperaturen reichten mittlerweile h\u00e4ufiger an die 40 Grad Celsius und es war somit ratsam, noch vor Sonnenaufgang zu starten. Nach lediglich einer Nacht in Bangalore war ich am darauffolgenden Abend zur\u00fcck in Gokarna.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz bevor ich Gokarna am Abend erreichte, stoppte mich eine Polizeikontrolle. Sie hatten bereits ein junges P\u00e4rchen auf einer Royal Enfield angehalten, da Urlauber hier nicht selten Motorr\u00e4der ohne g\u00fcltige Papiere mieten. Ich fragte den Officer freundlich, was er von mir wolle und er sagte, er m\u00f6chte meinen F\u00fchrerschein, Fahrzeugpapiere und den Reisepass sehen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun muss man sich die Situation kurz vorstellen: Ich hatte mehr als 16.000 Kilometer auf indischen Strassen hinter mir. Zu keiner Zeit hat mich irgend eine Polizeikontrolle (von denen es reichlich gab) angehalten und nach meinen Papieren gefragt. Nun d\u00fcrfte ich nach einem langen Tag bei bis zu 41 Grad und in voller Montur auch keineswegs so ausgesehen haben, als w\u00fcrde ich mal eben einen illegalen Nachmittagausflug machen &#8230; Ich sah ihn nur \u00fcberrascht an, l\u00e4chelte und fragte ihn, ob er das tats\u00e4chlich ernst meinte. Es war der erste Polizist, der mich innerhalb der letzten f\u00fcnf Monate, die ich bereits in Indien zubrachte, nach meinen Papieren fragte &#8230; Nun l\u00e4chelte auch er und meinte dann nur, dass ich schon alles dabei haben w\u00fcrde. Dann winkte er mich freundlich durch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es waren die letzten Tage meiner Reise und es wurde zunehmend hei\u00dfer auf dem Subkontinent. Der Monsun w\u00fcrde in wenigen Wochen die viermonatige Regenzeit im Land einl\u00e4uten. Viele Shacks, kleine H\u00fctten am Strand hatten bereits zugemacht und ich hoffte nur, dass mein Lieblingsrestaurant noch nicht abgebaut hatte. Doch das &#8222;Bhagavan Cafe&#8220; war noch offen. Ich wurde freundlich begr\u00fc\u00dft, genoss es, den menschenleeren Strand entlang zu laufen, im warmen Wasser zu baden, die F\u00fc\u00dfe in den Sand zu stecken, zu Schreiben, zu Lesen und dabei von einer exzellenten K\u00fcche kulinarisch umsorgt zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Karnataka fuhr ich nach Palolem, einem traumhaften Strand im S\u00fcden von Goa. Es ist f\u00fcr mich der wohl mit Abstand sch\u00f6nste Strand im kleinsten Bundesstaat Indiens und w\u00e4re er es nicht schon von Natur aus gewesen, so h\u00e4tten ihn meine pers\u00f6nlichen Erlebnisse zweifelsohne dazu gemacht. Palolem wird mir immer in Erinnerung bleiben &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch &#8222;Not all those who wander are lost&#8220; \u2026 und nach einer weiteren Nacht in Vagator im Norden von Goa, sattelte ich meine 1200 GS Adventure zum letzten Mal. Es waren noch einmal knapp 600 Kilometer und anstatt des Highways w\u00e4hlte ich die Route entlang der K\u00fcste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war ein sonniger Tag. Doch war es auch ein nachdenklicher Tag. Viele Eindr\u00fccke und Erinnerungen gingen mir durch den Kopf. Ich dachte an die ersten Tage auf der Strasse, an Menschen denen ich begegnet bin, den tragischen Unfall in China und an manch Abenteuer entlang des Weges &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verlie\u00df meinen Heimatort im Norden Deutschlands an einem Montag Morgen im April kurz vor Sonnenaufgang. Ein Jahr und mehr als 50.000 Kilometer sp\u00e4ter war es ein Sonntag Abend lange nach Sonnenuntergang. Mit nicht mehr ganz frisch aussehenden Klamotten, abgewetzten Stiefeln, manchem Kratzer und Staub im Gesicht erreichte ich schliesslich die Millionenstadt Mumbai. Das fr\u00fchere Bombay im Bundesstaat Maharashtra war die letzte Metropole meiner Reise. Von hier aus w\u00fcrde ich in wenigen Tagen mein Bike und einen wesentlichen Teil meiner Ausr\u00fcstung heimschicken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Abenteuer &#8222;Heading East&#8220; w\u00fcrde hier zu Ende gehen &#8230;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich verlie\u00df meinen Heimatort im Norden Deutschlands an einem Montag Morgen im April kurz vor Sonnenaufgang. Ein Jahr und mehr als 50.000 Kilometer sp\u00e4ter war es ein Sonntag Abend lange nach Sonnenuntergang. 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